MiM - Interviews mit Müttern in Medienberufen: Susanne Ackstaller

Fortsetzung Interview (2):


Zeitdruck im Alltag – wie’s trotzdem klappt

MiM: Erleben Sie manchmal Zeitdrucksituation, wenn ein Projekt unbedingt fertig gestellt werden muss?

S.A.: Ja, regelmäßig (lacht). Meist arbeite ich dann abends oder nachts. Passiert schon mal, dass ich dann erst um 1h oder 2h ins Bett gehe. Mein Schwerpunkt ist ja eher ein Saisongeschäft: das beginnt vor Weihnachten und endet im Februar. In der Zeit arbeite ich richtig viel, meist fünf volle Tage und mein Mann, der muss das dann ein bisschen ausgleichen.

Zum Teil federe ich das aber auch ab, indem ich Subunternehmerinnen mit einbeziehe. Bevor ich etwas ablehne, weil ich es nicht schaffe, habe ich so immer noch die Möglichkeit etwas weiterzugeben. Als Angestellte kann ich mir das nicht vorstellen. Wie sollte das funktionieren?

Ich finde, man hat als Freiberuflerin mehr Möglichkeiten. Im Laufe der Zeit stellte ich auch fest, wieviel ich so schaffe. Vor eineinhalb Jahren hatte sich auch mein Mann selbständig gemacht. In dem Jahr war ich nicht sicher, ob das Geld reicht, wie seine Kanzlei anlaufen würde. Da hab ich unglaublich viel Arbeit angenommen und meine Grenzen gesehen.

Letztes Jahr hatte ich fast einen Nervenzusammenbruch. Ich hatte so viel Arbeit (lacht), ich wusste gar nicht, wie ich es bewerkstelligen sollte. Deshalb bin ich dieses Jahr deutlich vorsichtiger geworden. Es ist eben nicht alles verschiebbar. So ein Geschäftsbericht zum Beispiel. Da kann man nicht auf nächste Woche vertrösten, die Termine sind oft wahnsinnig eng. Man muss seine Grenzen erkennen und vorausschauend disponieren. Wenn ich was annehme, überleg’ ich mir schon, gibt es jemanden, mit dem ich mir das teilen kann. Und kläre vorher ab, ob derjenige Zeit hat. Sonst mach ich’s dann halt nicht. Meinen guten Ruf will ich mir eben nicht verderben.

Persönliches "Erfolgsrezept": Sind MiM's erfolgreich?

MiM: Was macht für Sie Erfolg persönlich aus? Sehen Sie sich als erfolgreich an? Kann man als Mutter eigene Vorstellungen von Erfolg auch verwirklichen?

S.A.: Ich finde mich sehr erfolgreich - ohne dass das jetzt hoffentlich sehr eingebildet klingt. Ich finde, dass ich eine sehr erfolgreiche Unternehmerin bin. Tolle Kunden, sehr guter Stundensatz, bin quasi durchgehend ausgelastet. Ich bin manchmal froh, wenn ich weniger zu tun hab’. Man kennt mich eben in der Branche. Auch viele andere Frauen, Mütter in meinem Umfeld, sehe ich als erfolgreich an. Man kann auch als Mutter im Medienberuf erfolgreich sein. Ich denke, wer als Freiberuflerin ohne Kinder erfolgreich ist, der wird es auch mit Kindern sein.

"Erfolg hat nichts damit zu tun, ob man Kinder hat."

S.A.: Man muss schon reduzieren, das kann sein. Die Umsätze sind niedriger, eine gewisse Zeit. Das ändert sich ja auch wieder. Die Kinder werden größer und dann kann man auch wieder mehr arbeiten. Es ist eher eine Frage, in welchem Bereich man arbeitet.
Erfolg hat nichts damit zu tun, ob man Kinder hat. Erfolg hat damit zu tun, wo die eigene Kernkompetenz liegt und ob die gefragt ist. Das ist der Punkt. Dass ich erfolgreich bin, hängt nicht mit meinen Kindern zusammen, das hat einfach damit zu tun, dass ich einen Bereich mache, wo ich relativ allein und konkurrenzlos bin, und den mache ich auch noch ganz gut.

Man muss natürlich schon organisiert sein. Das ist die Basis. Wer es nicht schafft, seine Arbeit so zu organisieren, dass Termine eingehalten werden, wird immer ein Problem haben.

Männer in die Pflicht & Perfektionismus adé

MiM: Lobbyismus für die berufstätige Frau. Ihr Statement dazu?

S.A.: Ich glaube, dass das Thema Kinderbetreuung auf dem richtigen Weg ist. Selbst bei uns in Bayern. Wir waren da ja immer ein bisschen hinten dran. Selbst bei uns auf dem Land.

Männer müssen stärker in die Pflicht genommen werden. Ein Mann, der nicht bereit ist den Kindern die Pfannekuchen mal eben selbst zu machen, die Kinder ins Bett zu bringen, oder sich einen Tag Urlaub zu nehmen, wenn man selbst einen wichtigen Termin hat, also – wenn man nicht einen Mann hat, der sowas unterstützt, dann ist es sehr schwierig. Das empfinde ich als große Unterstützung und Entlastung, dass mein Mann mich immer mit allem unterstützt hat. Meine Arbeit immer befürwortet hat. Das fand ich sehr gut.

Und man muss sich immer vom Perfektionismus und Übermutter-Anspruch lösen. Bei mir wars einfach der Haushalt, den hab ich komplett abgegeben. Und man muss abgeben können. Sich selbst in die Pflicht nehmen, lernen zu delegieren. Sich nicht in kleinen Dingen zu viele Gedanken machen. Die Kraft, die das kostet, kann man besser für andere Dinge verwenden.

MiM: Vielen Dank, Frau Ackstaller, für das interessante Gespräch.


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