MiM - Interviews mit Müttern in Medienberufen:
Jutta Bissinger

 

Jutta Bissinger, 43 Jahre, ledig und alleinerziehend, zwei Kinder (24 und 20 Jahre), freiberufliche Journalistin (ca. 38 Stunden pro Woche), schreibt u.a. für die Zeitschriften „Viel Spaß“, „Freizeit Aktuell“ und „Lisa“

MiM: Guten Tag, Frau Bissinger. Sie sind als freie Journalistin tätig und haben ursprünglich Fremdsprachenkorrespondentin gelernt. Ihre beiden Kinder sind bereits auf der Universität. Wo und wie arbeiten Sie aktuell?

Eigenes Büro zu Hause

J.B.: Ich arbeite allein im eigenen Büro im Untergeschoss unseres Wohnhauses. Die Wohnung ist im Dachgeschoss, so dass die nötige räumliche Trennung von Arbeit und Wohnen gegeben ist. Ich war als Journalistin niemals fest angestellt. Meist bin ich damit auch sehr zufrieden – dann, wenn die Aufträge sprudeln. Manchmal aber, wenn "Ebbe" auf dem Konto ist oder mir Kollegen fehlen, sehne ich mich nach einer Festanstellung.

MiM: Wie sieht Ihre derzeitige berufliche Situation aus?

J.B.: Ich habe mehrere regelmäßige Auftraggeber. Dazu gehören Burda Offenburg, der Living&More Verlag und der Verlag Pabel Moewig. Darüber hinaus schreibe ich noch ab und zu für die „Badische Zeitung“, bei der ich auch als langjährige "Freie" das Handwerk gelernt habe.

Selbstständigkeit half bei Alleinerziehung

MiM: Was hat sich durch Ihre Mutterrolle an der Ausübung Ihres Berufes geändert?

J.B.: Ich habe mein erstes Kind mit 18 bekommen, war also vorher nicht berufstätig und habe somit keine Vergleichsmöglichkeit. Durch meine Selbständigkeit konnte ich Beruf und Alleinerziehung besser vereinbaren. Das heißt, ich konnte arbeiten wenn die Kinder in der Schule waren oder schliefen.

MiM: Was hat Ihre Entscheidung freiberuflich zu arbeiten hervorgerufen?

J.B.: In meinem ersten Job war ich Sekretärin und meine Kinder sieben und drei Jahre alt. Danach gab es verschiedene feste Teilzeit-Jobs, unter anderem bei der Tageszeitung. So kam ich als freie Mitarbeiterin zum Schreiben. Mich als freie Journalistin selbständig zu machen, traute ich mich erst, als die Kinder selbständiger waren, etwa nach fünf Jahren. Gleichzeitig hatte ich auch eine erste Zeitschrift als Auftraggeberin und so ein besseres Honorar. Ob diese Tatsachen der Anlass für meine Freiberuflichkeit waren, kann ich nicht genau sagen. Ich war einfach schon immer der Typ für Selbständigkeit.

Print-Verlage: Häufig Auftrag-
geber für freie Journalisten.

Kinder durften mit in die Redaktion kommen

MiM: Welche Unterstützung haben Sie als arbeitende Mutter von Ihren Auftraggebern erhalten?

J.B.: Die Redaktion war in Sachen Arbeitszeit einigermaßen entgegenkommend. Die Kinder konnten mal mitkommen, das hat nicht gestört. Hilfen wie betriebseigene Betreuungsmöglichkeiten gab es aber nicht. Eine Festanstellung oder ein Volontariat scheiterten wohl daran, dass ich kleine Kinder hatte. Andererseits wären die Arbeitszeiten einer Redakteurin bei der Tageszeitung für mich schlechter mit der Alleinerziehung zweier Kinder vereinbar gewesen. Ich bemerkte einmal in der Redaktion, dass alle Redakteurinnen keine Kinder hatten, einige Redakteure schon. Wohl, weil sie Frauen hatten, die in Teilzeit oder frei arbeiteten. Es war noch keinem aufgefallen, dass da vielleicht ein Zusammenhang bestand.

MiM: Zum Schluss noch eine übergreifende Frage zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Welche Anmerkung hätten Sie für Familienministerin Frau von der Leyen?

J.B.: Weiter so, am liebsten noch ein bisschen schneller.

MiM: Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag, Frau Bissinger.


Interview mit Ursi Zeilinger>>

zurück nach oben

MiM - Mütter in Medienberufen - Müttern.Mut.Machen.