MiM - Interviews mit Müttern in Medienberufen:
Ursi Zeilinger

Ursi Zeilinger, 38 Jahre, verheiratet, zwei Kinder (knapp drei und fünf Jahre alt), freiberuflich tätig, in der Redaktion: 20 Stunden, zusätzlich ca. 10 bis 15 Stunden von zu Hause aus.

MiM: Guten Tag Frau Zeilinger. Sie sind Diplom-Medien-
pädagogin und derzeit freiberuflich als Redakteurin tätig. Ihre beiden Kinder werden im Kindergarten betreut. Wo und wie arbeiten Sie?

U.Z.: Ich bin seit 2000 Redakteurin beim SWR Familienprogramm in der Onlineredaktion Kindernetz. Ich kann als "feste Freie", aber auch für andere Arbeitgeber arbeiten. So baue ich gerade ein Elternportal im Internet auf, schreibe Artikel für eine Medienzeitschrift, gebe unterschiedliche Workshops – unter anderem auch regelmäßig an der Kinder-Akadmie Karlsruhe. Das mache ich von zu Hause aus - abends, wenn die Kinder friedlich schlafen.

In der Elternzeit Stunden reduziert

MiM: Welche Vereinbarungen konnten Sie für die Elternzeit treffen?

U.Z.: Ich bin bis einschließlich Mai 2008 in Elternzeit mit meinen beiden Kindern. Der SWR hat Eltern eine besondere Möglichkeit eingeräumt, innerhalb der Elternzeit bis zu 30 Wochenstunden arbeiten zu können. Davon habe ich Gebrauch gemacht.

MiM: Wie haben Sie zu Beginn der Elternzeit gearbeitet?

U.Z.: Ich habe beim ersten Kind nach drei Monaten wieder angefangen zu arbeiten – das konnte ich abends machen. Da mein Mann auch beim SWR ist, fand die „Kinder-Übergabe“ abends statt. Ich bin mit Kind ein bis zwei Mal pro Woche in die Redaktion gekommen und wir haben „die Plätze getauscht“ und damit auch die Rollen. Nach einem dreiviertel Jahr bin ich wieder zur Tagesschicht gewechselt – ausgestattet mit Tagesmutter.

Es war stressig - immer auf den letzten Drücker

Nach der Geburt des zweiten Kindes habe ich nach drei Monaten den ersten Workshop gehalten. Offiziell habe ich aber erst wieder nach neun Monaten in der Redaktion angefangen. Stressig war es natürlich dennoch, denn die Betreuungsplätze lagen weit auseinander. So sind wir immer auf den letzten Drücker "Stoßstange an Stoßstange" zur Tagesmutter gefahren, dann zum Kindergarten, dann in die Redaktion. Immer auf den letzten Drücker, immer gerade so alles „geschafft“.

Die Anfangszeit war sehr stressig. Ich musste früher aufstehen, um kurz nach sieben das Haus verlassen. Mein Mann hat die Kinder fertig gemacht und sie in den Kindergarten gebracht. Ich habe sie um 12 Uhr abgeholt. Seit unser Jüngster bis 14.30 Uhr in die Gruppe gehen kann, ist alles einfacher geworden. Das hat vieles erleichtert: Fahrerei oder Organisation. Jetzt habe ich auch mal Zeit, mit meinen Kolleginnen und Kollegen einen Kaffee zu trinken oder in der Kantine zu essen.

MiM: Was hat sich durch Ihre Mutterrolle an der Ausübung Ihres Berufes geändert?

U.Z.: Verändert hat sich durch die Kinder, dass ich „nur noch“ den verlängerten Vormittag in der Redaktion beim SWR arbeite, dann mit den Kindern „rumziehe“ und abends zu Hause am Rechner sitze – oft bis tief in die Nacht hinein. Früher war der Arbeitstag mit Feierabend abgehakt. Verändert hat sich auch, dass sich meine Kolleginnen und Kollegen damit abfinden müssen, dass ich in 'schnupfennahen' Zeiten öfter wegen Krankheiten der Kinder den Dienst absagen muss. Oder dass ich aus Redaktionssitzungen gerufen werde, weil es im Kindergarten eingeklemmte Finger, blutende Nasen, ausgeschlagene Zähne gibt. Und dass meine Kleidung ständig Zahnpastareste und Schnupfennasenspuren, Milch- und Kakaoflecken enthält.

Der Arbeitgeber reagierte flexibel

MiM: Welche Unterstützung haben Sie von Ihrem Arbeitgeber erhalten?

U.Z.: Ich hatte das Glück, die Rahmenbedingungen selbst mitzugestalten. Mein Arbeitgeber und vor allem auch meine direkte Vorgesetzte, die Redaktionsleiterin, konnten flexibel auf meine neue Situation eingehen. Ich wurde nicht unter Druck gesetzt, wieder voll arbeiten zu müssen oder gar nicht. Der SWR hat Eltern die Möglichkeit eingeräumt, in Elternzeit bis zu 30 Stunden arbeiten zu können. Davon habe ich profitiert. Hinzu kommt die Kindergarten-Betreuungssituation: Unser Kindergarten hat zwar einen kirchlichen Träger, ist aber SWR-subventioniert und bietet daher Eltern beste Bedingungen, da unterschiedliche Betreuungsformen, an. Dann hat unser Arbeitgeber eine Ferienbetreuung eingerichtet, für die Sommerferienzeit, wenn der Kindergarten geschlossen ist. Und es gibt einen Raum für Eltern, mit Arbeitsplatz und Spielmöglichkeit. Das heißt, dass Eltern zur Not ihre Kinder auch in Ausnahmesituationen mitbringen können.

MiM: Was hat Ihre Entscheidung freiberuflich zu arbeiten beeinflusst?

U.Z.: Ich arbeite zusätzlich für andere Arbeitgeber und da bin ich dann als ganz Freie natürlich noch viel flexibler. So kann ich abends arbeiten und von zu Hause aus. Das ist sehr entspannend – vor allem auch, wenn die Kinder krank sind, ist man viel besser organisiert und steht nicht so sehr unter Druck.

MiM: Welche weitere Unterstützung würden Sie sich von Arbeit- bzw. Auftraggebern wünschen?

UZ: Ich bin sehr zufrieden mit den flexiblen Möglichkeiten, die mir mein Job und mein Arbeitgeber ermöglicht haben. Ich wollte keinesfalls voll arbeiten, denn dazu sind mir die Kinder viel zu wichtig. Ich wollte aber auch keinesfalls auf meine Arbeit verzichten, da sie mir viel zu großen Spaß macht. Und so habe ich beides, alles - ein Traum!

MiM: Ihr Fazit?

UZ: Kinder machen kreativer, flexibler, wenn auch dauerangespannter, aber auf der anderen Seite wiederum viel gelassener. Wer Kinder hat, muss sich ständig neue Dinge einfallen lassen, im Kopf Listen abarbeiten, flexibel Termine umdisponieren, spontan auf neue Begebenheiten reagieren, Betreuungsmöglichkeiten organisieren etc. Und Beweglichkeit, Organisation, Flexibilität und Kreativität sind ein großer Mehrgewinn für den Arbeitgeber!

MiM: Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag, Frau Zeilinger.


Interview mit Julia Fiedler>>

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