MiM - Interviews mit Müttern in Medienberufen:
Julia Fiedler

Julia Fiedler, 32 Jahre, verheiratet, zwei Kinder (vier und acht Jahre alt), fest angestellt (ca. 18 Wochenstunden), Kinderbetreuung: von 8 bis 16 Uhr, Kindertagesstätte und Offene Ganztagsschule

MiM: Guten Tag Frau Fiedler. Sie sind Theaterwissenschaftlerin M.A. und derzeit freiberuflich als Redakteurin tätig. Wo und wie arbeiten Sie?

J.F.: Ich arbeite derzeit als Redakteurin für einen Kinder- und Jugendverband. Mein Büro liegt in Neuss, ungefähr 65 Kilometer von meinem Heimatort entfernt, was heißt, dass ich pendeln muss. Allerdings habe ich die Möglichkeit, einige Stunden über Homeoffice zu arbeiten. Das geht, da unser Magazin viermal jährlich erscheint und ich somit nicht tagesaktuell sein muss und es darüber hinaus die technischen Möglichkeiten gibt, mich von zu Hause jederzeit ins Netzwerk einzuklinken.

Attraktive Teilzeitarbeit - Mangelware

MiM: Was hat sich durch Ihre Mutterrolle an der Ausübung Ihres Berufes geändert?

J.F.: Ich habe die Erfahrung gar nicht gemacht, wie es ist, ohne Kind berufstätig zu sein. Als mein großer Sohn geboren wurde, war ich noch im Studium. Ich hab dann mit ihm meine Magisterarbeit geschrieben und als er zwei Jahre alt war, habe ich glücklich einen von zwei in diesem Jahr in meiner Stadt zu vergebenden Kita-Plätzen für Kinder unter Drei ergattern können und angefangen zu arbeiten. Zunächst 25 Stunden. Als 2003 mein zweiter Sohn geboren wurde, hab ich mir ein Jahr Elternzeit gegönnt, um auch diese Erfahrung einmal zu machen. Und danach mit leicht reduziertem Stundenumfang wieder gearbeitet. Meine Mutterrolle hatte in sofern Einfluss auf meine Berufstätigkeit, dass ich mich nach dem Studium nicht um ein Volontariat beworben, sondern eine Teilzeitstelle als Redakteurin angenommen habe. Vollzeittätigkeit wäre zu diesem Zeitpunkt familiär absolut unmöglich gewesen. Zwischendurch hat es mein Mutterdasein verhindert, dass ich Stellen annehmen konnte, die noch mehr Pendelei bedeutet hätten. Außerdem ist das Angebot an attraktiven Teilzeitstellen mehr als begrenzt.

MiM: Welche Arbeitsbedingungen haben Sie nach Ihrer Erziehungszeit bei Ihrem Arbeitgeber vorgefunden? Kannten Sie die Rahmenbedingungen bereits bevor Sie in Elternzeit gingen?

J.F.: Mein Arbeitgeber hat mich ja bereits als Mutter eingestellt. Ich hab dahingehend großes Glück gehabt, dass flexible Lösungen fast immer möglich waren und sind: Stundenreduzierung, Homeoffice, Bürotage verschieben, weil ein Kind krank wird.

Alles ist möglich: Alternative Arbeitszeitmodelle

MiM: Welche weitere Unterstützung hätten Sie sich grundsätzlich gewünscht?

J.F.: Ich kann mich, wie gesagt, über die Unterstützung meines Arbeitgebers nicht beklagen. Grundsätzlich würde ich mir aber von Arbeitsgebern eine größere Bereitschaft wünschen, Alternativmodelle gemeinsam mit den Arbeitnehmern zu durchdenken. Oft ist nämlich mehr möglich, als man vorher denkt. Auch eine eingeschränkte Anwesenheit im Büro funktioniert meiner Meinung nach gut, denn zu Hause bin ich täglich, wenn nötig auch am Wochenende, per E-Mail zu erreichen.

Familienarbeitsmodelle - noch ein Zukunftstraum?

MiM: Thema: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Erweiterung von Kinderbetreuung und familienfreundlichere Rahmenbedingungen der Unternehmen sollen Frauen helfen, den Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit zu verbessern. Haben Sie davon schon profitieren können?

J.F.: Ich war dankbar, dass pünktlich zum Schulbeginn meines Großen alle Grundschulen bei uns mit der Ganztagsbetreuung begonnen haben. Ansonsten hätte ich ein großes Problem gehabt. Da ich mindestens eine Stunde hin und eine Stunde zurück ins Büro fahre, hätte es sich nicht gelohnt, für zwei oder drei Stunden Arbeit zu kommen, um rechtzeitig mit Schulschluss wieder daheim zu sein. Insgesamt sind die Probleme aber noch lange nicht gelöst. Das Angebot an guten Teilzeitstellen ist noch immer äußerst gering und es sind noch immer fast ausschließlich die Mütter allein, die Stunden reduzieren. Hier ist eindeutig ein Schritt noch nicht vollzogen - tatsächliche Familienarbeitsmodelle. Es muss Normalität werden, dass Eltern ein paar Stunden weniger arbeiten und auch verantwortungsvolle Jobs mit 28 oder 30 Stunden ausgeübt werden können.

Kinderbetreuung muss gut und auch bezahlbar sein

MiM: Welche Frage oder Anmerkung hätten Sie an Frau von der Leyen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

J.F.: Setzen Sie endlich auf Qualität in der Kinderbetreuung. Qualität wird nicht durch Beobachtungsbögen und irgendwelche panikartig eingeführten Sprachtests erreicht, sondern funktioniert nur über gut ausgebildetes Personal und den Kindern angemessenen Personalschlüsseln. Eine Erzieherin für 26 Kinder - das ist durchaus Realität im Kita-Alltag - kann Kinder beim besten Willen nicht fördern, sondern nur bewachen. Gleichzeitig muss die Kinderbetreuung für Eltern bezahlbar sein. Und es sich somit auch lohnt, eine 16-, 18- oder 20-Stunden-Stelle anzunehmen. Schließlich möchte man lediglich dem Wunsch zu arbeiten und seinem Erziehungsauftrag nachzukommen, einigermaßen gerecht werden. Mehr Zeit für Kinder klappt, wenn Eltern über zeitliche, finanzielle und kräftemäßige Ressourcen verfügen, für ihre Kinder da zu sein.

MiM: Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag, Frau Fiedler.


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