MiM - Interviews mit Müttern in Medienberufen:
Andrea Blome

Andrea Blome, 42 Jahre, mit Partner, zwei Kindern (sieben und neun Jahre alt), selbständig tätig im eigenen Redaktionsbüro/Verlag (ca. 60 Wochenstunden), Kinderbetreuung: von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr, Hort

MiM: Guten Tag Frau Blome. Sie sind selbständige Journalistin. Wo und wie arbeiten Sie?

A.B.: Ich bin Inhaberin eines Redaktionsbüros und eines Verlages. Im Redaktionsbüro entstehen Broschüren, Dokumentationen, Presse- und Webtexte überwiegend für Institutionen, aber auch für Unternehmen. Im Verlag erscheint das Unternehmerinnenmagazin existenzielle, deren Herausgeberin und Chefredakteurin ich bin. Ich habe eine Mitarbeiterin und arbeite ansonsten mit freien Autorinnen, Grafikerinnen und Fotografinnen zusammen.

In der Regel beginnt mein Arbeitstag, wenn die Kinder in der Schule sind ab 8.15 Uhr. Um 16.30 Uhr (bei Freizeitaktivitäten der Kinder auch früher) hole ich sie ab. Abends setze ich meine Arbeit häufig nach 21.00 Uhr noch einmal fort, dann zuhause am Schreibtisch.

Schwanger? Nicht mit uns...

MiM: Was hat sich durch Ihre Mutterrolle an der Ausübung Ihres Berufes geändert?

A.B.: Vor meiner ersten Schwangerschaft war ich bei einer Tageszeitung als feste freie Mitarbeiterin beschäftigt. Diese Mitarbeit wurde mir gekündigt, als ich schwanger wurde, ebenso die in Aussicht gestellte feste Stelle.

Das war der Auslöser für die freiberufliche Arbeit, die ich auch nach den Geburten der Kinder mit wenigen Wochen Unterbrechung fortgesetzt habe.

MiM: Thema: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Erweiterung von Kinderbetreuung und familienfreundlichere Rahmenbedingungen der Unternehmen sollen Frauen helfen, den Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit zu verbessern. Haben Sie davon schon profitieren können?

A.B.: Die Debatte, die das Familienministerium stark in die Öffentlichkeit gebracht hat, halte ich für richtig und wichtig. In Bezug auf meine persönliche Lebenssituation sehe ich keine Entwicklung eher im Gegenteil.

Meine Kinder sind jeweils mit 1 Jahr in die Kindertagesstätte gegangen und mit dem Schuleintritt in den Hort, der täglich bis 16.30 Uhr geöffnet ist.

Offene Ganztagsschule - eine Mogelpackung?

Im Zuge der Debatte in NRW um eine Verstärkung der Ganztagsbetreuung von Schulkindern werden öffentliche Gelder jetzt in die so genannten Offenen Ganztagsschulen gesteckt mit der Folge, dass alle freien Horte in NRW geschlossen werden. Das Ziel ist die Quantität und damit der Nachweis möglichst vieler Ganztagsplätze für Schulkinder. Für die Kinder und für die Familien bedeutet das, dass sie jetzt vor dem Problem stehen, 12 Wochen Schulferien zu überbrücken (zum Vergleich: der Hort war 3 Wochen im Jahr geschlossen). Die Betreuung an den Schulen im Nachmittagsbereich halte ich zudem pädagogisch für komplett verfehlt und in der Qualität in keiner Weise mit einer vernünftigen Hortbetreuung zu vergleichen.

Unterstützung des Partners - zum Scheitern verurteilt?

Ich lebe in einer Partnerschaft, in der beide berufstätig sind, aber nur eine freiberuflich arbeitet. Der Arbeitgeber meines Partners ist wie das Gros der mittelständischen Unternehmen in keiner Weise zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeit, geschweige denn des Arbeitsortes bereit. Das führt in unserer Partnerschaft dazu, dass nur meine Arbeitzeit um die Kinderbetreuungszeit herum organisiert und dadurch oft mit einem hohen Zeitdruck versehen ist.

Unternehmen aufklären und informieren

MiM: Zum Abschluss: Ihr Statement zur Vereinbarkeitsdebatte?

A.B.: Ich sehe in der Diskussion um Vereinbarkeit vor allem keine Bewegung bei den Unternehmen. Und zwar weniger bei den Konzernen und Großunternehmen, als bei mittelständischen und Kleinbetrieben. Es gibt auch für sie gute und attraktive Modelle zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, allerdings schrecken sie in hohem Maße davor zurück, sie anzuschauen, einzuführen, umzusetzen. Hier muss meines Erachtens viel stärker aufgeklärt,informiert und investiert werden.

Kinderbetreuung: Qualität geht vor Quantität

A.B.: Quantität allein überzeugt mich überhaupt nicht in der Diskussion um Betreuungsplätze für kleine und größere Kinder. Die Politik geht in die falsche Richtung, wenn gute und bestehende Angebote zerschlagen werden, um mit mehr Quantität in der Debatte punkten zu können. Aber: Das ist nun mal Landessache und da wüsste ich gern, wie Minister Laschet aus NRW seiner Kollegin im Bund die Situation in NRW erklärt hat.
Ich halte den Ausbau der Betreuungsangebote für Unter-Dreijährige Kinder für wichtig, was mir in der Diskussion fehlt, ist die Situation der Schulkinder noch immer kehren Frauen in großer Zahl (ich kenne sie!!) in die Hausfrauenrolle zurück, wenn ihre Kinder schulpflichtig werden. Diese Entwicklung finde ich skandalös und rückwärtsgewandt.

MiM: Vielen Dank, Frau Blome, für Ihren interessanten Beitrag.


zurück nach oben

MiM - Mütter in Medienberufen - Müttern.Mut.Machen.